Ich interessiere mich momentan ziemlich für Sprachen im Allgemeinen und bin kürzlich in der Schule (Man erinnere sich, ich besuche eine Abendschule um Realschulabschluss, sowie Fachabitur nachzuholen) an dem Punkt angekommen, wo ich die deutsche Sprache einfach hinterfragen musste, beziehungsweise Aspekte aus der dt. Rechtschreibung als unlogisch erachtet habe. Lehrer kommen hier häufig mit der Begründung “Ist einfach so” und zwei Freunde von mir meinten ebenfalls das liegt daran, dass Sprachen dynamisch sind. Wie auch immer, meine Lehrerin hat mir empfohlen mich an den Rat der dt. Rechtschreibung zu wenden. Das habe ich dann auch mit folgender eMail gemacht:
Sehr geehrte Damen und Herren, ich schreibe Ihnen diese eMail, da Sie für Änderungen an der deutschen Rechtschreibung zuständig sind und ich einige Vorschläge habe, die deutsche Rechtschreibung zu verbessern. Ausserdem möchte ich einige Fälle in der deutschen Rechtschreibung mit dieser eMail hinterfragen, um ein besseres Verständnis zu entwickeln. Fangen wir bei "das" und "dass" an. Mir persönlich ist der genaue Unterschied der beiden Wörter nicht geläufig, so weiss ich zwar, wann ich welches einsetzen muss, verstehe aber nicht warum man nicht vereinfacht "das" für beides nutzt. Sobald man "das" und "dass" ausspricht wird klar, dass es sprachlich gesehen keinen Unterschied gibt. Ich schlage daher vor, "dass" abzuschaffen. Weiterhin sehe ich ein Problem bei "Vase" und "Vogel". So wären meiner Meinung nach "Wase" und "Fogel", auch wenn es seltsam aussieht, definitiv logischer. Eine weitere Reihe an Beispielen bei denen der sprachliche und schriftliche Unterschied zur Geltung kommen würde, wären: "vulgär", "video" oder auch "viele", "voll", "vollends", "vokal", "votum". Worauf ich hinaus will ist, dass nicht klar ersichtlich ist, warum manche Wörter mit einem V geschrieben werden, aber mit einem W gesprochen werden. Andere mit einem V geschrieben werden aber nach einem F klingen. Natürlich gilt dies auch für Wörter mit F: Foto beispielsweise ist ein sehr interessantes Wort in diesem Zusammenhang, soweit mir bekannt sind zwei Formen möglich: Photo und Foto. Allerdings kein Voto. Spreche ich Foto aus, klingt der F-Laut exakt wie der F-Laut bei Vogel. Ich würde mich sehr über Rückmeldung freuen, gerne auch mit Erläuterungen, warum Sie mit meinen Vorschlägen einverstanden, oder nicht einverstanden sind. Sofern erlaubt, würde ich Ihre Antwort auch gerne im Deutschunterricht an der Abendrealschule, welche ich derzeit besuche, meiner Deutschlehrerin zeigen. Mit freundlichen Grüßen
Ich war sehr gespannt, ob es eine Antwort geben würde und umso begeisteter als diese heute eintraf. Natürlich möchte ich die Antwort niemandem vorenthalten und habe um Erlaubnis gebeten, diese in meinem Blog zu veröffentlichen. Nachdem ich die Erlaubnis erhalten habe, habe ich diesen Eintrag geschrieben. Nachfolgend die Antwort-eMail von Herrn Weber zu meinen Fragen:
Sehr geehrter Herr Bruenn, zunächst einmal ist es erfreulich, dass sich so viele Menschen mit den Aspekten der deutschen Rechtschreibung so intensiv auseinandersetzen und dabei an einen Punkt gelangen, an dem scheinbar Selbstverständliches hinterfragt werden muss. Zur Unterscheidung von dass und das: Tatsächlich handelt es sich hierbei um zwei ganz verschiedene Wortarten. Während das einen Artikel oder ein Pronomen darstellt, wird dass ausschließlich als Konjunktion zum Einleiten von Nebensätzen verwendet. Offenbar werden beide Wörter gleich ausgesprochen, obwohl es in einigen deutschen Regionen durchaus einen hörbaren Unterschied gibt, da hier der Artikel mit längerem a als in der Konjunktion gesprochen wird. Dass Grimm'sche Wörterbuch gibt übrigens an, dass die Unterscheidung seit Mitte des 16. Jahrhunderts gemacht wurde und seitdem weitgehend anerkannt ist. Ihr Vorschlag, die beiden Worte zusammenzulegen, ist somit nicht neu, sondern gibt sogar den ursprünglichen Zustand wieder. Es gab laut Grimm sogar Bestrebungen, auch das Pronomen mit einem, damals noch gültigen, ß zu schreiben. Eine scheinbar gleiche Lautung hebt den offensichtlichen Unterschied in den Wortarten und der daraus resultierenden Verwendung jedoch nicht auf. Würden Artikel/Pronomen und Konjunktion zusammengelegt, so wäre folgerichtig das der einzige Artikel, der mit einer Konjunktion zusammenfiele -- der und die hätten diese Entsprechung nicht. Für Lernende der deutschen Sprache wäre diese Vermengung sicher auch nicht ganz trivial, wenn man an dann gültige Beispielsätze denkt, die Artikel und Konjunktion nicht trennen: Ich finde es gut, das der Baum hier steht. Insbesondere bei einem Vergleich mit anderen europäischen Sprache täte sich hier eine Eigenart des Deutschen auf, die grammatikalisch nur schwer zu begründen wäre. Sie sehen also, dass eine Unterscheidung der beiden Wortarten durchaus sinnvoll erscheint -- auch wenn man es mit sehr ähnlichen Wörtern zu tun hat. Es kommt hinzu, dass jede Sprache von den Sprachbenutzer eigens mitgestaltet ist und daher nie ein starres System vorliegt. Das führt aber im Umkehrschluss auch dazu, dass viele Eigenarten einer Sprache als solche akzeptiert werden und bei der Verwendung keine Schwierigkeiten bereiten, da sie über die Jahre der Sprachverwendung "gewachsen" sind und von der Gemeinschaft der Sprachbenutzer aus den unterschiedlichsten Gründen herausgebildet wurden. Dies führt direkt zum nächsten Punkt Ihrer Anfrage. Sie hinterfragen das, was in der Orthographie als "Laut-Buchstaben-Zuordnung" bekannt ist. Natürlich ist gerade der Wechsel der Lautung für den Buchstaben v, der als f (Vogel) und als v (Vase) ausgesprochen werden kann, dabei augenscheinlich kompliziert. Die scheinbar willkürliche Zuordnung hängt aber in den meisten Fällen mit der Wortherkunft zusammen. Steht in Fremdwörtern ein v, so wird dies, gemäß §30 der amtlichen Regelung, in der Regel als v ausgesprochen. Oftmals sind aber einheimische Wörter, die man mit einer f-Schreibung erwarten würde, ebenfalls mit v geschrieben. Ein Beispiel hierfür ist Vater, das noch im Althochdeutschen fater geschrieben wurde und das im Mittelhochdeutschen als vater auftauchte und auch heute im Englischen als father existiert. In der Literatur ist die Tendenz belegt, dass bei dem Phonem f am Wortanfang vor a, e, i, o ein v steht, während f meist vor u, lr und r steht: Freund viel voll Vater usw. Hierbei handelt es sich aber tatsächlich nur um eine Tendenz, die nicht immer zutreffen muss. Die Wechsel in solcherlei Schreibungen sind oft nicht mehr eindeutig zu klären und gründen sich auf Konventionen der Gemeinschaft der Sprachbenutzer, die sich vor anderen Schreibungen durchgesetzt haben. Ich hoffe, dass ich, obwohl ich aus Zeitgründen natürlich nicht auf jedes Beispiel eingehen konnte, die prinzipiellen Umstände klären konnte. Bei Rückfragen stehe ich natürlich jederzeit zur Verfügung. Mit den besten Grüßen aus Mannheim Constantin Weber
Quellangabe: Constantin Weber, Mitarbeiter der Geschäftsstelle des Rats für deutsche Rechtschreibung | Internetseite: http://www.rechtschreibrat.com/
Fand ich persönlich ziemlich interessant, indirekt ist es zwar immernoch ein “ist einfach so”, dennoch ist man hier auch auf die Entwicklung eingegangen und ich kann mit der Antwort definitiv mehr anfangen, als mit einem “ist einfach so”. In diesem Sinne: Wieder was gelernt, vielen Dank für die Antwort!
P.S: In einem Jahr hinterfrage ich dann nochmal, warum man im Deutschen 42 (Zwei (2) und Vierzig (40)) und im Englischen 42 (Fourty (40) Two (2)) sagt (Die Zahlen also genau umgedreht. Da wirkt das Englische richtig, das Deutsche falsch.) :-)

Schön, dass das geklärt wäre. :)
Grüße,
Michael
Ps.: Hier ist ein Fehler in der Antwort: “Ich finde es gut, das der Baum hier steht.” Richtig ist es: “Ich finde es gut, dass der Baum hier steht.
Ich glaub, das war zur Verdeutlichung gemeint und beabsichtigt :)
Aber ja. das und dass bleiben verwirrend :>