28th Apr, 2008

Linux 10.1

Es gibt ja mittlerweile schon einige, Blog-Beiträge zu dieser Thematik. Dieser Beitrag ist wahrscheinlich der hundertste in der Richtung, aber trotzdem wollte ich hier doch mal ein paar nette Links zeigen und meinen Senf dazu geben.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich mit 12 anfing, die Linux Welt zu erkunden. Es ging eigentlich ganz einfach los - Im IRC erzählte “Porken” (kennt wahrscheinlich keiner von euch) die ganze Zeit von Linux. Zwischen ihm und anderen Anwesenden entbrannten oftmals wilde Diskussionen, ja man hat sich sogar auf einer Art psychischen Ebene gegenseitig ausgelacht. Da traf für mich Windows auf Linux. Und mein Gedanke dabei war eigentlich immer nur *kopfnick* mhm. Ja. Seh ich auch so. Hm. Was ist Linux? Die ersten Antworten, die man auf diese entscheidende Frage bekommen hat, waren vielversprechend. “Ein OS”. Tja. Mit 12 hatte ich noch nicht viel mit Abküfi am Hut. Genausowenig mit Englisch. Wen verwundert es, das ich auf Nachfrage was OS sei, auch mit Operating System nicht viel anfangen konnte. Na klar wusste ich wofür BIOS steht, was man im BIOS so tun kann und wie nervig Windows war. (Übrigens.. das Erste OS welches ich in den Fingern hatte, war ein reines DOS noch ohne Windows. Irgendwann hatte ich dann mal Win 3.0 spaeter Win 3.1 und so weiter und sofort in den Fingern. Lag wahrscheinlich daran, dass mein Vater EDV-Fachorganisator war.). Irgendwann, habe ich dann herausgefunden, das Operating System Betriebssystem heisst. Tja. Ähm. Und was ist ein Betriebssystem? Nungut. Also “Windows” ist ein Betriebssystem. Und daneben gibt es noch einige andere. Irgendwann, schien ich’s dann begriffen zu haben und habe einfach mal rumgefragt was denn so genutzt würde.

Ich versuche mich gerade zu erinnern ob Porken SuSE genutzt hat, aber irgendwie bezweifel ich das gaanz stark. Ich glaub er war ein Debian Nutzer. Aber das weiss ich nicht mehr. Das ist nunmehr aber auch mehr als 9 Jahre her… Jedenfalls, hatte ich mir nen SuSE installiert. Passend dazu, empfehle ich euch folgenden Beitrag:

Linux ist nichts für dich - Lass es

Das trifft so im groben (nicht ganz so schlimm) auf mich zu. Meine ersten Gehversuche mit Linux waren etwas.. nunja. Nicht so. Bei mir wars aber weniger Photoshop, als vielmehr Cinema 4D und meine Spiele, die nicht liefen - Übrigens nicht Counter Strike, sondern Diablo ;-) Als ich dann irgendwann festgestellt habe, ich komme so nicht weiter, weil mir Porken zwar jede menge Tips und Tricks gab. Klytty (kennt ihr wohl ebenfalls nicht) mir ebenfalls versucht hat zu helfen, bestimmt ebenfalls an mir verzweifelt ist aufgrund der Dinge die ich gefragt habe - Gab ichs auf. Nach nem halben Jahr, kam dann der zweite Versuch. Diesmal allerdings unter anderen Gesichtspunkten. Porken erzaehlte naemlich wie toll es ist, einen Linux Router zu haben. Schwupp di Wup -> 0815 Rechner hingestellt, Linux installiert, mir ein RTFM + URL geben lassen, verzweifelt Englisch-Fremdwörter mit einem Wörterbuch intepretiert und durch den Englisch Unterricht wo ich durchaus gut war, hatte ich viel viel weniger Probleme. Aber viele Dinge in diesen Dokumentationen, waren immernoch schwer. Ich musste auch feststellen, das man englische Texte nicht 1 zu 1 übersetzen konnte. Wie ich heute übrigens weiss - Selbe Howtos gabs auch in Deutsch. Warum man die mir nicht gegeben hat, verstehe ich nicht. Aber wahrscheinlich wollte man Linux vor mir schützen. ;-)

Wie auch immer. Gesagt getan - Das Routing funktionierte. Die SSH Brute Force Attacken begannen. Ich erkannte Dinge in Log Files die ich nicht deuten konnte - Also Porken belästigt. Der sich damals einen Spass draus machte. Egal. Also war es an der Zeit eine Firewall zu installieren. Tja. Wie. Hm. Schonmal jemand die iptables Howtos gelesen? Ich finde die selbst heute noch etwas… verwirrend. Ich meine, ich komm damit klar. Aber angenehm zu lesen sind die nicht gerade. Nachdem ich klytty und porken in den Wahnsinn getrieben habe, dachte ich mir dann doch wieder Windows zu installieren. Da geht die Firewall immerhin. Also Windows installiert. Ich musste allerdings 3 Wochen neu installieren weil jemand den Rechner gehackt hatte.

Bei meinem nächsten Linux Versuch, war alles besser. Ich habe mir selbständig Anleitungen gesucht, Porken und klytty nur gefragt wenn ich mir unsicher war (und das war ich sehr häufig) und so hats dann irgendwann geklappt. Ich verfiel kurze Zeit später dem Kernel-Compile-Wahnsinn. Was das ist? Nunja. Ich dachte, je besser ichs an meine HW anpasse, desto besser laeufts. Also habe ich seit ich 14 bin mindestens 2 Jahre lang, bei jedem neuem Kernel Release, sofort nen neuen Kernel compiliert. Das erste mal Kernel Compile verlief sehr sehr langsam. Porken gab mir aber einen unschlagbaren Tipp:

make -j bzImage

War das da schon mit bzImage? Wahrscheinlich war’s einfach nur make -j - Wie auch immer.

Hätte er mir vorher gesagt, das er dabei soviele Prozesse spawned das nichts mehr geht.. Hätte ich mir den folgenden Reboot sparen können. Ich hab mich jedenfalls gefragt warum der Monitor schwarz wurde und nichts mehr ging. Anyway - Ab da an wusste ich, ich kann Porken nicht vertrauen :p

Aber Porken war cool und wollte was von meinem System wissen und hat mir schwups einen neuen Befehl für die Konsole gegeben. Musste allerdings als Root sein damit er die Hardware auch richtig ausliest:

:(){ :|:& }

Nungut.. Das war also wieder ein Reinfall. Ich glaube Porken wollte mir beibringen, das ich erstmal überlegen sollte, WAS ich da überhaupt eingebe, bevor ich es eingebe. Bzw es so gut es geht in Man-Pages nachschlage (was ich heute auch tue). Ich habe Linux da als Router & Firewall eingesetzt und hin und wieder dran rumgebastelt. Irgendwann war ich so unzufrieden mit meinem Windows, das ich mir Linux komplett installiert habe und die Desktop Umgebungen erkundet habe.

Porken hat icewm genutzt - Ich anfangs KDE. Spaeter ebenfalls icewm. Mittlerweile nutze ich xfce4. Ich musste feststellen, das es sehr viele Unterschiede gibt, zwischen Linux und Windows. Weil ein Linux, eben kein Windows ist. Man kann die beiden Betriebssysteme nicht vergleichen. Das ist wie wenn man ein Motorrad mit einem Auto vergleicht (beides hat räder). Oder ein Uboot mit einem Flugzeug (Beides bewegt sich fort). Oder ein Eis mit einem Steak (Beides ist essbar).

Passend hierzu, der folgende Artikel:

Linux is NOT windows

Aber wie man sieht, nutze ich mittlerweile ausschliesslich Linux. Ich habe hier wirklich alles, was ich brauche. Sogar meine Spiele laufen wenn nicht native, mit einem Emulator. Mein System ist sicher, auf mich zugeschnitten und ich weiss was wann wie wo läuft. Hier ist nur das, was ich will. Hier kann ich individuell sein. Das mag für Menschen die Linux nicht kennen, nicht verständlich sein. Und das heisst auf gar keinen Fall “nutzt linux, dadurch seid ihr individueller” - Nein, nein. Denn, als Linuxer fängt man irgendwann an, sich über eben solche Leute zu ärgern. Die ohne Nachzudenken, wie ich einst, zur Linux Welt dazu stoßen. Und das sind diese gravierenden Unterschiede die man im obigen Artikel wunderbar lesen kann. Nehmt euch die Zeit - Ihr bereuts nicht.

Ich lese so oft, das bei Linux nichts funktioniert. Das Linux total schwer ist. Das man als Linux-Neuling keine Hilfe bekommt. Und alle 3 Sätze, stimmen nicht.

“Bei Linux funktioniert nichts”

Was funktioniert nicht? Ich habe die Auswahl aus Tonnen an Grafikprogrammen. Es gibt sogar Flash-Software. Es gibt genügend Emulatoren um selbst Win-Software einzusetzen. Es gibt Linux-Spiele, es gibt unzählige Browser, Mail Programme und ähnliches. Und das beste: Es gibt nicht nur eine grafische Oberfläche. Es gibt unzählige. Nein - Ich rede nicht davon “themes” zu nutzen. Ich rede wirklich von unterschiedlichen grafischen Oberflächen - Wie wir es als Window-Manager bezeichnen. Und jeder dieser Window-Manager, hat nochmal dazu Themes.

Es stimmt, das einige Hardware nicht direkt auf Anhieb laeuft. Es stimmt, das man vieles manuell erstmal einstellen und sich einarbeiten muss. Es stimmt auch, das es tatsächlich Software gibt die mit dem Betriebssystem nicht läuft. Aber es ist meistens, mindestens eine Alternative vorhanden. Wer meinen Blog verfolgt, weiss beispielsweise auch, das es keinen Treiber fuer meine Fernsehkarte gab, mittlerweile ist der Treiber da - So what?

“Linux ist total schwer”

Nein! Linux ist anders. Siehe obigen Artikel, wenn “du” das nicht verstehst. Da steht, wirklich alles.

“Linux Neulinge bekommen keine Hilfe”

Ich hoffe, ein Linux-Neuling, der diese Aussage getroffen hat, liest diesen Artikel. Und ich frage mich: Gehörtest du, ebenfalls zu denen, die im IRC eine Frage gestellt haben und 15 Sekunden später weg waren? Hast du Geld bezahlt für Linux? Nein? Wieso erwartest du, das du eine Antwort sofort bekommst? Wir alle, sind die Community, wir alle versuchen zu helfen wenn wir können - Wir alle wollen helfen. Aber wir alle werden nur soweit helfen, wie wir helfen können. Wir werden auch nur helfen, wenn wir wissen, der jenige welcher Hilfe sucht, lernt dabei. Wir wollen nicht die Arbeit für jemanden machen. Beispiel: Was bringt es mir, wenn ich jemandem alle Befehle runterschreibe um seine Soundkarte zum Laufen zu bewegen, wenn er 2 Wochen spaeter eine neue Soundkarte hat und die selbe Frage stellt? Nichts. Noch dazu: Niemand kann von diesem Typen IRGENDWAS lernen. Weil er ja selbst nichts gelernt hat. Dabei profitiert die Community gerade davon, das jeder jedem hilft.

So seh ich das. Seh ichs falsch? Irgendwelche Linuxer arround die sich äussern wollen? Ich bins für meinen Teil jedenfalls Leid, meine Hilfe anzubieten, wenn ich sehe, das der jenige nur den schnellen copy n’ paste Service sucht.

RTFM hat schon seinen Sinn. Der Sinn der dahinter steckt ist: Da steht nicht nur das was du brauchst. Da steht auch das was du brauchen könntest. Bookmarke es. Deine nächste Frage, ist eventuell 3 Absätze weiter schon beantwortet.

Schaun’mer mal in folgenden Blog:

Die lieben Linux Neulinge

Sowas, sehe ich im IRC 5-10 mal am Tag. Sowas, sehe ich in anderen Maillinglisten ebenfalls sehr häufig. Das man da, die Lust verliert zu helfen - Ist klar, oder?

BlaBla. Hier könnte ich ewig weiter schreiben. Ich glaube, vielen ist klar. Das ichs zwar begrüße, das Linux einfacher wird, irgendwo aber auch denke, das Linux nicht zu einfach werden sollte. Um eben kein Magnet für solche Leute zu sein. Viele Menschen die ich früher kannte, Menschen die wirklich viel Ahnung von Linux, allgemein *nix und solchen Systemen hatten, sind nichtmehr da. Möchten auch nicht helfen. Und immer mehr, werden verschwinden.

Wenn ich mir meinen Linux Anfang so im Rückblick anschaue, muss ich schon lächeln - Klar, jeder faengt mal klein an. Heute nutze ich Linux auf mehr als 4 Kisten, es läuft auf Servern, auf Desktop-Rechnern und auf meinem Notebook. Ich bin Entwickler bei einer Distribution (Wobei ich da momentan sehr sehr inaktiv bin aus zeitlichen Gründen) und helfe aktiv, im IRC, bei Linux fragen, sei es der Mailserver oder die Soundkarte - Oder vielleicht doch etwas ganz allgemeines. Aber durch dieses immer häufigere auftauchen von Personen, die eine Frage stellen, 15sek bis 2 min spaeter einfach weg sind und nicht wieder kommen - Oder Leute die sagen “Linux ist schwer” oder Leute die sagen “Bei Windows geht alles sofort” - Ich werde mich irgendwann, wie die alten “pro’s” verziehen.

Der aufmerksame Leser fragt sich, was der Titel zu bedeuten hat? Nunja. Heute, hat einer im IRC gefragt, wo er Linux 10.1 runterladen kann.

Responses

Tjaaa, was soll man da sagen…

Ich glaube jedem von uns ist es so oder so ähnlich ergangen.+

Frustration, Fehlschläge, verärgerte Antworten, Verarschungen - nunja, geschadet hat es mir nicht wirklich, ich habe dabei genug gelernt.

Vielen Neulingen entgeht dabei eine winzige Kleinigkeit: Es ist das Hobby. Mir persönlich ist “besser”, “schlechter”, “sicherer”, “unsicherer” und der ganze Kommerzkram eigentlich völlig wurst - es ist eben ein Hobby.

So long,
Jan

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